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Pflege

Gesundheitscheck: Kaninchen richtig pflegen und untersuchen

Kaninchen bedürfen regelmäßiger Pflege um gesund zu bleiben und Auffälligkeiten/Krankheitszeichen rechtzeitig zu erkennen. Bei Haltern, die ihre Tiere frei in der Wohnung oder in ihren Alltag fest integriert und nah am Menschen unterbringen, sind Auffälligkeiten meist schneller entdeckt als wenn die Tiere nur gefüttert, ausgemistet und selten beobachtet oder gestreichelt werden.

Gesundheitskontrolle

Gerade wenn die Tiere nicht intensiv mit dem Halter zusammen leben ist es sinnvoll, wöchentlich, oder zumindest zweimal im Monat alle Kaninchen genau durchzuchecken und sich dafür Zeit zu nehmen. Dabei sollten alle unten aufgefürten Punkte kontrolliert werden, insbesondere eine Unterbodenkontrolle (Afterbereich!), Krallenpflege, Gewichtskontrolle und allgemeiner Gesundheitscheck. Zur allgemeinen Gesundheitskontrolle sollten alle Krankheitsanzeichen ausgeschlossen werden: Krankheitsanzeichen erkennen und einschätzen lernen
Ist bekannt, dass ein Tier zu einer bestimmten Erkrankung neigt, so sollte es natürlich häufiger auf die Problematik hin kontrolliert werden. Für Schlachtkaninchen ist mittlerweile sogar vorgeschrieben, dass diese min. zweimal am Tag auf ihre Gesundheit hin überprüft werden müssen. Wir empfehlen, diesem Check auch bei Hauskaninchen nach zu kommen, indem ein Leckerlie oder Futter zweimal täglich angeboten wird, so lässt sich feststellen ob die Kaninchen die Nahrung verweigern. Zudem sollte morgens und abends beobachtet werden, ob sie sich normal bewegen und aktiv sind. Auch der Kot und Urin sollte dabei überprüft werden.

 

Gewichtskontrolle

Auch wenn die Tiere augenscheinlich gesund sind, ist es sinnvoll, sie wöchentlich oder zumindest ein- bis zweimal im Monat zu wiegen und das Gewicht in einem Protokoll zu vermerken. So kann bei Krankheiten mit dem Normalgewicht verglichen werden, denn viele Krankheiten fallen erst durch einen Gewichtsverlust auf. Beachten Sie, dass eine Gewichtszunahme im Herbst (Winterspeck) und -abnahme im Frühjahr ganz normal ist.
Bei guter Beobachtung und engen Kontakt zu den Kaninchen ist eine Gewichtskontrolle nicht unbedingt nötig. Recht einfach klappt das Wiegen, wenn man einen griffigen Untergrund (Teppich…) und ein ein Lieblingsfutter auf  eine Babywaage legt, so dass das Kaninchen neugierig und stressfrei drauf hüpft. Ideal ist eine Babywaage geeignet. Gewichts-Protokoll ansehen/drucken

 

Krallenpflege

Die Kaninchenkrallen wachsen lebenslang nach. In der Natur werden sie durch das Laufen auf Steinen und Buddeln abgenutzt, in der Heimtierhaltung leben die Kaninchen oft auf weichen oder glatten Untergrund und/oder bewegen sich wenig. Deshalb müssen die Krallen regelmäßig gekürzt und kontrolliert werden. Zu lange Krallen sind schmerzhaft, behindern bei der Fortbewegung, können abreißen (sehr schmerzhaft!) oder einreißen, drehen sich ein und/oder wachsen in den Fuß. Eine unzureichende Krallenpflege stellt eine schwere Vernachlässigung des Tieres dar. Die Krallen enthalten einen Nerv, in diesen darf nicht geschnitten werden. Ein Tierarzt oder erfahrener Halter kann zeigen, wie man die Krallen richtig schneidet. 
Vermeiden lässt sich das Krallenschneiden, wenn man einige raue Steinplatten an zentrale Stellen auslegt und in der Buddelkiste auf dem Boden Gehwegplatten platziert.

 

Fellpflege und Fellwechsel

Bei gesunden und kurzhaarigen Kaninchen ist die Fellpflege nur während des Fellwechsels nötig. Je nach dem wie vital das Tier ist, kann es sein, dass man den Fellwechsel kaum merkt, bzw. das Fell sich kaum verändert sondern weiterhin glatt und glänzend ist. Manche Tiere bekommen im Fellwechsel ein ganz struppiges Fell mit vielen herausstehenden Fellbüscheln, die sich leicht herauszupfen oder herauskämmen lassen. Dies kann bei kranken, schlecht ernährten oder alten Kaninchen vorkommen, aber auch bei starken Stress (Vergesellschaftung, Tierarztbesuch, Hitze etc.) oder Tieren, die dazu eine Veranlagung haben, passieren. Dann sollten die locker sitzenden, herausstehenden Haare regelmäßig herausgezupft, weg gestreichelt oder herausgekämmt werden, denn die Aufnahme über den Mund kann zu Haarballen/Verstopfungen führen, die mitunter auch lebensgefährlich sein können. Gut geeignet ist für diesen Zweck eine Zupfbürste. Beim Entfernen der herausstehenden Haare können im Extremfall Kahlstellen mit gesunder Haut entstehen, die (im Gegensatz zu schorfigen, wunden oder veränderten Hautbereichen) nicht bedenklich sind. Wenn an der Stelle schon neues Haar nachwächst, entstehen oft merkwürdige Fellmuster. Die Haare wachsen schnell wieder nach. Ebenfalls Kahlstellen entstehen bei Scheinträchtigkeiten, wenn sich die Weibchen ihr Fell selber herauszupfen (in dieser Zeit sitzt das Fell sehr locker) und als Nistmaterial verwenden. Außerdem können unterstützend Sonnenblumenkerne und andere Ölsaaten, sowie Grünfutter in großer Menge verfüttert werden.
Bei Langhaarkaninchen ist es nötig, die Haare regelmäßig zu kürzen, damit sie nicht das Kaninchen in der Bewegung einschränken, sein Blickfeld behindern oder verschmutzen. Dabei müssen Verfilzungen unbedingt heraus geschnitten werden, da sie für das Kaninchen schmerzhaft sind. Meistens ist eine Fellpflege mindestens einmal monatlich nötig. Beim Zuschneiden der Haare und Entfilzen muss man gut aufpassen, dass man das Tier mit der Schere nicht verletzt.


Recht gute Erfahrungen wurden dabei mit einer „Zupfbürste“ gemacht. Diese akzeptieren die Tiere in der Regel und lassen sich u.U. sogar gerne bürsten, außerdem holt sie gut die losen Haare aus dem Fell. Hat man wirkliche Fellmonster ist eine qualitativ hochwertige Schermaschine einer Schere vorzuziehen, da es schneller geht, für die Tiere angenehmer ist und das Verletzungsrisiko weitaus geringer ist als bei einer Schere.
Gerade im Genitalbereich sollte das Fell so gekürzt werden, dass es nicht verschmutzt. Dabei ist jedoch zu beachten, dass auf keinen Fall die Geschlechtsteile verletzt werden dürfen. Diese Fellpflege ist für die Kaninchen nicht besonders angenehm aber trotzdem dringend nötig.
Die regelmäßige Fellpflege kann am Boden im Gehege vorgenommen werden, das ist für die Kaninchen entspannter. Dafür wird der Kopf mit einem Tuch oder der Hand abgedeckt, so dass das Kaninchen nichts sieht, dann hält es still. Die meisten Kaninchen schlagen daraufhin den Rückwertsgang ein, deshalb sollte eine Hand oder ein Gegenstand hinter das Kaninchen positioniert werden. Ebenfalls kann man Lieblingsfutter anbieten und einen Zaun um die Kaninchen stellen, solange man mit dem Bürsten beschäftigt ist, so klappt es ohne das stressige Anheben. Es ist auch möglich, einen engeren Ausgang mit einem bürstenden Rand auszustatten, so dass die Kaninchen beim Durchlaufen automatisch und stressfrei von losem Fell befreit werden. Für größere Fellpflege-Maßnahmen kann das Kaninchen hochgenommen oder in eine Kiste gesetzt werden. Bei der Fellpflege sollte auch immer kontrolliert werden, ob Wunden, Abschürfungen, Kahlstellen, Schorf, Krusten, Schuppen oder andere Anzeichen für Krankheiten oder Parasiten vorhanden sind.
Zur Vorbeugung von Haarballen sollte während des Fellwechsels eine grünfutterrreiche (Grünfutter unbegrenzt Tag und Nacht als Hauptfutter) kombiniert mit dem Verfüttern von Leinkuchen oder Sonnenblumenkernen vorgenommen werden.

 

Vorbeugende Kotproben

Mindestens einmal jährlich (2 Wochen vor der Impfung) sollte eine Kotprobe auf Parasiten (Kokzidien, Hefen und Würmer) getestet werden. Hierfür sammeln Sie drei aufeinander folgende Tage lang Kotkügelchen und bewahren sie kühl und trocken auf. Die Kotprobe kann beim Tierarzt abgegeben werden (ohne das Tier mitzunehmen) und kostet etwa 15-20 Euro. Bei einem Darmparasitenbefall wirkt die Impfung nicht, deshalb ist eine Kotprobe vor der Impfung anzuraten.

 

Baden, Verklebungen/Kot/Urin am Anogenitalbereich

Viele Krankheiten führen zu Durchfall, einer erhöhten Blinddarmkotausscheidung oder Inkontinenz/Einnässen. Als Folge ist dann der Genitalbereich völlig verschmutzt und verklebt bzw. verfilzt.

Kaninchen müssen regelmäßig kontrolliert werden, ob diese Region sauber bleibt.

Eine schonende Form der Hinterteil-Kontrolle ist es, beim Hoppeln oder wenn das Kaninchen entspannt die Hinterbeine weg streckt diesen Bereich anzuschauen, das klappt stressfrei ohne Anheben.

Bei Kaninchen mit Verschmutzungen oder nassen Fell besteht in den Sommermonaten eine erhöhte Gefahr für Fliegenmadenbefall, die Ursache muss schnell gefunden und beseitigt, der Genitalbereich sehr gut sauber gehalten und das Tier mit vorübergehender Innenhaltung oder Fliegengittern vor einem Befall mit Fliegenmaden geschützt werden. Der Genitalbereich sollte dann mindestens zweimal täglich genau begutachtet, ggf. gereinigt, und auf Fliegenmaden untersucht werden. Diese verstecken sich insbesondere in den Taschen rechts und Links vom Geschlechtsteil, aber auch am Schwanzansatz.

Sollte es zu Verschmutzungen kommen, schneiden sie mit einer kleinen, nicht spritzen (!) Schere vorsichtig das Gröbste weg (Achtung! Die Genitalien niemals verletzen!) und sitzen das Kaninchen mit dem Hinterteil in eine Schale (mit lauwarmen Wasser und Seife oder noch besser goldener Schmierseife füllen). Das Kaninchen sollte niemals am ganzen Körper gebadet werden, außer es ist wirklich flächendeckend verschmutzt, was nur bei schwer kranken, verwahrlosten Kaninchen vorkommt. Sorgen Sie dafür, dass das Tier mit dem Hinterteil in der Schale sitzen bleibt, so dass die Verkrustungen einweichen können (ein Handtuch über den Kopf legen, es fest halten, Futter anbieten, es in eine kleine Box setzen etc.). Nach einer kurzen Einweichzeit kann es im Genitalbereich mit einem nassen Tuch gewaschen, Verkrustungen gelöst und abgetrocknet werden. Nach dem Abtrocknen muss es erst mal an einem warmen, nicht zugigen Ort warten, bis der Bereich wieder trocken ist, sonst erkältet es sich. Oftmals ist auch Föhnen sinnvoll. Wenn die schlimmsten Verkrustungen weg sind, kann man mit Baby-Feuchttüchern täglich die Verschmutzungen reinigen, so dass eine gründlichere Reinigung seltener nötig ist. Sehr gute Erfahrungen haben wir mit Flohkämmen und Zupfbürsten gemacht, wenn Verfilzungen im Anogenitalbereich gelöst werden sollen.

Bei Verklebungen/Inkontinenz/Blinddarmkotverklebungen muss auf jeden Fall anschließend ein Tierarzt aufgesucht werden. Nehmen Sie (wenn vorhanden) eine Kotprobe von drei Tagen mit. Nicht nur Probleme der Verdauung (Durchfall, Würmer, Zahnprobleme, Hefen usw.) und Inkontinenz (Blasenerkrankungen, Blasenschlamm usw.) können zu Verklebungen führen, sondern auch Übergewicht (das Kaninchen kommt nicht an den Popo um den Blinddarmkot aufzunehmen und sich zu reinigen), eine zu energiereiche Ernährung (Blinddarmkot-Überschuss) oder Gelenkschmerzen (Arthrose etc.) sind oftmals ursächlich. 

 

Geschlechtsecken säubern

Seitlich von den Geschlechtsteilen befindet sich eine Hauttasche, in der sich die Analdrüsen (Duftdrüsen um das Revier zu markieren) und Leistendrüsen (Inguinaldrüsen) befinden. Diese Geschlechtsecken werden nicht von allen Kaninchen gesäubert und können besonders nach Durchfallerkrankungen oder Problemen mit dem Blinddarmkot stark verschmutzen, so dass sie vorsichtig mit einem feuchten oder in Öl getränkten Ohrenstäbchen gereinigt werden müssen. Das gelblich-weiß-bräunliche Sekret riecht übel und verkrustet in den Drüsen. Kontrollieren Sie bei Verdacht die Geschlechtsecken und reinigen Sie diese bei Bedarf. Die Geschlechtsecken sind auch ein beliebter Bereich für Fliegenmaden, fast immer sind sie dort zu erst zu finden!

 

Zahnkontrollen

Wenn man die Kaninchen beim Gähnen beobachtet, kann man recht schonend die Zähne kontrollieren, evtl. unterstützt durch das Anfertigen eines Fotos. Ansonsten ist es möglich die Lippe bei Seite zu schieben und die Stellung der Vorderzähne zu begutachten. Die Backenzähne sollten beim Tierarzt mit entsprechenden Geräten kontrolliert werden, dies sollte zweimal jährlich beim Gesundheitscheck/Impfungen beim kaninchenkundigen Tierarzt durchgeführt werden, denn viele Erkrankungen bleiben unentdeckt.
Mit einem geübten Griff lässt sich kontrollieren, ob am Kiefer Knorpel/Verdickungen zu spüren sind (Abszess-Verdacht!), dafür wird unten am Kinn entlang des Kiferknochens getastet und beide Seiten miteinander verglichen bzw. am Oberkiefer unter dem Auge bis vor zur Nase getastet. Der Seitenvergleich hilft, Auffälligkeiten zu erkennen. Auch wenn sich Kaninchen am Kinn einsabbert (Zahnfehlstellungen), Schnupfen oder Augenausfluss hat, ist dies ein Hinweis auf Zahnerkrankungen. Auch zu langes Schneidezahn-Wachstum ist gut zu sehen.


Augenuntersuchung

Kontrollieren Sie regelmäßig, ob die Augen klar sind, nicht zugekniffen werden, keinen Ausfluss haben und nicht entzündet/rot sind. Auch auf Flecken im Auge sollte geachtet werden. 

 

Nasen-Kontrolle

Die Nase sollte immer trocken sein, das Kaninchen nicht niesen. Ansonsten liegt oft eine Atemwegserkrankung oder Zahnerkrankung vor, die zügig behandelt werden muss.

Ohren checken

Eine Veränderung der Haut im Ohr (rote Stellen, Schorf…) oder Verschmutzungen des Gehörgangs sind Krankheitszeichen, achten Sie deshalb auf gesunde Ohren.

Bei Widderkaninchen sollte unbedingt wöchentlich eine Ohrenpflege mit Epibac-Ohrreiniger erfolgen und halbjährlich die Ohren beim Tierarzt genau untersucht werden.

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